• Über 1000 km
  • 15 Auftritte
  • 19 Gastgeber

Jetzt bin ich genau einen Monat unterwegs. Zeit für ein Resümee: 

Diese Reise verändert mich. Schon jetzt. Zum Beispiel mein Körper – ich habe Rücken und eigentlich immer Schmerzen, nur seit ich unterwegs bin kaum noch. Ich will nie mehr vergessen wie stark mein Körper eigentlich ist und ihn immer fröhlich in Bewegung halten. Doppelschwör!

Überhaupt, die Natur: ich bringe es nicht mehr fertig, einen Käfer oder ein Fliegetier im See neben mir ertrinken zu sehen. Schon zweimal habe ich ein verzweifelt paddelndes Insekt aus dem Wasser gefischt, um dann einarmig von der Mitte des Sees zurück ans Ufer zu schwimmen. Irgendwie sitzen wir ja alle im selben Boot.

Ich grüße auch alle Pferde, Kühe, Spatzen, Schafe auf meinem Weg. Ich kann gar nicht anders.

Vor zwei Tagen durfte ich in Haby auf einer Husky-Farm zu Gast sein. Britta Dunker, die Betreiberin hatte sogar eine Schlittenfahrt für mich organisiert. Morgens um sechs den Ochsenweg mit Huskys entlangjagen, wow! Auch wenn die Hunde deutlich Spaß an der Sache hatten, plagte mich das schlechtes Gewissen – sechs Huskys müssen sich so ins Zeug legen, nur um mich spazieren zu fahren. Aber als ich mich hinterher bei jedem einzeln bedankt habe, da hatte ich das Gefühl, dass sie sogar etwas stolz auf ihre Leistung waren.

Am Abend danach, wieder unter Menschen, nach meinem Auftritt: „Stolz“ ist Thema. Darf man stolz auf Deutschland sein? Trotz unserer Vergangenheit? Einfach so, oder nur wenn man selbst etwas leistet? Und was ist eine landeswirksame Leistung? Darf man wenigstens auf seine Kinder stolz sein, oder impliziert das eine Aneignung von etwas, an dem man eigentlich keinen Anteil hat?

Umgekehrt war die Sache klar: Kinder brauchen Eltern, die stolz auf sie sind. Unabhängig von messbarer Leistung, einfach weil sie da sind.

Und wenn ein Land nun wie ein Kind ist?

Britta Dunker konnte jederzeit sagen, was in ihrem Rudel vor sich ging. Die Freuden und Probleme des Zusammenlebens waren denen der Menschen sehr ähnlich: Wer hat das Sagen, wer braucht Aufmerksamkeit, wer wird ernst genommen und wer ignoriert – sogar die Charaktere der Hunde kamen mir irgendwie vertraut vor: einer kümmert sich um Kranke, einer ist melancholisch, einer will immer auf die Bühne, einer ist der Chef.

Alle Menschen, die ich treffen durfte, die mich nicht nur in ihr Haus sondern auch in ihr Leben eingeladen haben, hatten etwas gemeinsam: Eigenheiten, Verrücktheiten, Überzeugungen, Ticks, Spleens, Abneigungen, Vorlieben – jeder hatte seine ganz eigene Art in seinem Lebensraum.
Ich glaube, die Natur kennt keine Norm. Und auch die Nachbarn kennen keine Norm. Wir Deutschen könnten uns ruhig offener zeigen – wenn alle ein bisschen verrückt sind, dann ist das ja wieder völlig normal.

Und wir sind doch Natur, oder etwa nicht? Natur, die denkt (und die deutsche Natur denkt immer noch eine ganze Menge, das erfahre ich täglich), fühlt, lacht, weint, hofft und nicht aufgibt.
Sondern leben möchte.
Darauf kann man doch schon mal stolz sein!

Hier gibt es einen Artikel zum Auftritt vor den Huskys (Eckernförder Nachrichten) > zum Artikel
Und hier das Video: ich habe umgesattelt! Fahrrad ist für Anfänger > zum Video

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Gehört:
Als ich von dem Projekt gelesen habe, musste ich sofort an Stage-Diving denken. Da wollte ich Dich unbedingt mittragen.

Hier ist Bett, Bad, Waschmaschine, WLAN-Passwort, Kuchen, Kaffee, Spargelsuppe, Wild, Weißwein. Und hier mein Haustürschlüssel. Bis morgen!

Gelernt:
Irgendwelche Vorstellungen von meinen Gastgebern sind überflüssig, es kommt immer anders als ich denke.

Gedacht/gefühlt:
Wenn ich jetzt Deutschland sage, sehe ich etwas anderes vor meinen inneren Auge als noch vor einem Monat – Gesichter, Geschichten, Landschaften. Irgendwie schön.

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