Es wird der Tag kommen, an dem die Sonne aufgeht, das Licht sich über die ersten Berggipfel schiebt und die Wiesen, Städte und Straßen in rotes Licht taucht. Es liegt eine eigentümliche Stille in der Luft, vielleicht weil kein Vogel zu hören ist, vielleicht weil kein Lufthauch weht, vielleicht weil es scheint als würden die Berggeister den Atem anhalten.
Etwas ist unfassbar anders. Etwas fehlt.

Die Luft ist klar, das Atmen fällt leicht, es geht wie selbstverständlich, Ein und Aus, als wäre der Körper Luft und als wäre die Luft Alles und Alles wäre befreit.

Und noch während die ersten Vögel ihren Jubelgesang anstimmen, während sie mit ihren klaren, lebensfrohen Stimmen  die Morgensonne darin bestärken, ihr Licht und ihre Wärme auch in die dunklen Täler zu schicken welche noch in traumbewegtem Tiefschlaf liegen – da wird es wahr.

Es ist wahrhaftig:
Eine Last ist abgefallen vom Rückgrad der Erde.
Wie weggefegt sind Müdigkeit, Betäubung, Orientierungslosigkeit.
Nur noch eine ferne Erinnerung sind Hoffnungslosigkeit und Angst.
Schon vergessen ist die gestern noch allgegenwärtige Gewalt, Einsamkeit und Hilflosigkeit.

Was auch immer diesen blauen Planeten, dieses Wunderwerk im Zentrum von Sonne und Mond, von Nordpol und Südpol, von Feuer, Wasser, Luft und Erde ins Wanken gebracht hat – es ist fort.
So weit fort, dass sich keiner mehr erklären kann, wie es je so viel Raum einnehmen konnte.

Was bleibt
ist eine neugeborene Ruhe, die sich in jede Richtung ausbreitet und schützend um jedes schlagende Herz legt.

Was kommt
ist die Zeit der Erholung. Die Zeit des grünen Erwachens, der Phantasie, der Weisheit und der Liebe. Die Zeit der Poesie.

Wo und wer auch immer ich bin wenn dieser Tag kommt – müde und erfüllt auf dem Rückweg nach einem Auftritt, eine alte Frau, die frühmorgends ihre Gardine zur Seite schiebt, ein Funkenflug irgendwo im Universum – ich habe einen großen Wunsch: Ich will es spüren, das Aufatmen. Ich will die Erde leuchten sehen, strahlen vor Erleichterung durch das ganze Sonnensystem hindurch. Ich will es wissen. Alle sollen es wissen. Es ist gut ausgegangen.
Mein Zuhause lebt.

 

Es heißt, wir könnten uns die Welt nicht mehr anders vorstellen, als so, wie sie im Moment ist. Man sagt auch, Utopien seien naiv und eigentlich ausgestorben.
Wie aber soll es jemals anders werden wenn wir keine Phantasie haben für das große Ganze?
Statt „Es war einmal…“ für „Es wird einmal sein..“?

Ich wüsche Ihnen allen ein wunderbares Weihnachtsfest, ein großartiges Silvester – und das sich viele Ihrer geheimen und geteilen Träume für das Jahr 2017 und die kommenden Zeiten erfüllen mögen!

Ihre Anna Magdalena Bössen

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