Vor genau zwei Wochen habe ich mit „Bin ich Deutschland?“ Premiere im Literaturhaus gefeiert. Eine tolle Premiere, die einiges für mich verändert hat, das merke ich sehr deutlich. Nun bin ich seit 13 Tagen auf dem Rad und nach einigen Umwegen bei meiner Schwester in Essen angekommen. Und natürlich kann ich alle Erlebnisse kaum in Worte fassen, aber ich versuche es. Sozusagen ein „Best of“ in Wort und Bild:

Stationen mit Übernachtung: Hamburg – Soltau – Hannover – Barsinghausen – Minden – Herford – Osnabrück – Münster – Marienthal (Hamminkeln) – Xanten – Essen.

Gefahrene Kilometer: 720

Schrägstes Erlebnis:
In Minden im kleinen Theater am Weingarten habe ich es tatsächlich geschafft, mich beim vermeintlichen Gang auf die Bühne auszuschließen. Über einen Notausgang komme ich 4 Blocks vom Theater entfernt wieder raus. Und renne, mit Kostüm und Köfferchen, durch das beschauliche Städtchen – meine Gastgeberin läuft inzwischen durchs Publikum und ruft wiederholt „Jetzt ist sie weg!“, bis ich völlig außer Atem zum Haupteingang reinstürme.

Schmerzhaft:
Den Helm liegenlassen. 8 Kilometer zurück. Steil bergauf selbstverständlich. Arrgh!

Viel hilft viel:
Vom Norden ins Ruhrgebiet – es werden immer mehr: Autobahnen, Orte, Menschen. Aber es strengt mich nicht an, im Gegenteil; ich habe keine Angst hier unterwegs zu verhungern. Und immer mehr Publikum als erwartet!

Nie gedacht:
in Polen ist die Rezitation eine hochangesehene Kunstform und Wettbewerbe im ganzen Land ziehen zahlreiches Publikum an. Wo denn noch?

Meine Vergangenheit:
Ich habe einen Großteil meiner Jugend im Ruhrgebiet verbracht. Ich kann der alten und neuen Industrie trotzdem keine Romantik abgewinnen. Aber ich bin froh, alles aus einer anderen Perspektive zu sehen. Am 30. Mai trete ich mit dem Bühnenprogramm in meiner alten Schule auf. Dieselbe Bühne, auf der ich Feuer gefangen habe – bei zahlreichen Theateraufführungen und schließlich auch ganz dramatisch in meiner letzten Hauptrolle. Ich bin sehr gespannt, wie sich das heute anfühlt, Jahre später wieder dort zu stehen. Und ich freue mich auf viel Publikum, es gibt immerhin 400 Plätze!

Nach der Premiere von „Bin ich Deutschland?“:
Jetzt ist es raus! Ich habe angefangen darüber zu reden – auf der Bühne, vor all meinen Freunden und Reisegefährten. Und nun kann ich nicht mehr aufhören. Es ist, als sei eine Schranke gefallen. Das Thema „Zukunft“ begleitet mich jeden Tag und verändert meinen Blick auf die Welt. Ich mache mir Sorgen um die Zukunft. Und will diese Sorgen nicht mehr ausblenden, sondern teilen. Meine Reise bekommt dadurch eine andere Dringlichkeit und ich selbst bekomme mehr Kraft.
Eines Tages sicher auch genug für bergauf …

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